Anton Thiel

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Bildnerische Erziehung BE
Bildnerische Erziehung Ausstellungen

Unsere Ausstellung findet heuer wieder im Schulhaus des Musischen Gymnasiums statt.

Vernissage: 2. Juni 2004, 18.00 Uhr

Eröffnungsrede: Univ.Prof. F. Billmaier (Mozarteum)

Trommelperformance

Dauer der Ausstellung: bis Schulschluss

03strich04
zum Thema WERTE

Bildnerische Erziegung
Werkerziehung
Textiles Gestalten
am Musischen Gymnasium


Ankündigung - Logo
Allgemeine Überlegungen ("Weil ich es mir wert bin")
Allgemeine Überlegungen ("Hans im Glück")
Wertediskussion: Prof. Geza Szigeti
Eröffnungsrede: Univ.Prof. Univ.Prof. F. Billmaier (Mozarteum)
Ausstellungsobjekte, Ausstellungsprojekte

Hans im Glück

Im Märchen "Hans im Glück" verliert einer seinen ganzen Lohn, weil er immer an den Dingen der anderen mehr Gefallen findet. Vom Gold über das Pferd über das Schwein und die Gans bis zu den wertlos belastenden Steinen hatte er es bei seiner Heimreise gebracht um dann erleichtert auszurufen: ?So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne?, um dann nach Hause zu eilen. Ein Spinner, dessen Werivorstellungen jedem gewitzten Bürger den Magen umdreht, ein Verrückter, der nicht zu schätzen wusste, was er hatte? "Weil ich es mir wert bin", da er endlich zu sich selbst gefunden hatte und dies als große Befreiung empfand und nicht, weil er den anderen etwas vortäuschen konnte.

Die Ausstellung am Musischen Gymnasium im Juni 2004 zeigt Schülerarbeiten der verschiedensten Art (Zeichnungen, Konzepte, Malereien, Gemeinschaftsarbeiten, plastische Arbeiten, multimediale Installationen etc.l, die alle um das selbe Thema kreisen: Was sind Werte und wie definiert man sie? Sind sie vergänglich und einem Wandel unterworfen oder gibt es in diesem Zusammenhang einen Ewigkeitsanspruch? Was bedeuten sie für uns und wie helfen sie, das friedliche Zusammenleben der Menschen zu bewerkstelligen? Werte können in diesem Zusammenhang ganz auf die Erscheinung der Materie bezogen sein, der sinnliche und kreative Umgang mit dem Vorhandenen, der Ausdruck des Staunens über die Reichhaltigkeit des Seienden. Werte manifestieren sich aber auch in unserem Verhältnis zur Umwelt, im sorgsamen Umgang mit den natürlichen Resourcen, im bewussten Wahrnehmen von Entstehen und Vergehen, der achtungsvollen Annäherung an das Phänomen des Neuen und Alten und deren vielfältigen und verworrenen, subtilen Beziehungsgeflecht. Werte manifestieren sich auch im Unmut über Ungerechtigkeiten und den für viele Menschen demütigenden Zuständen. In Anklage und Urteil treten jene Grundlagen und Bezugssysteme zu Tage, an denen wir uns orientieren. Selbstreflexion und kritisches Hinterfragen eigener Positionen sollen vor Selbstgefälligkeit und Selbstherrlichkeit bewahren. Ein hartes Stück Arbeit scheint sich die Gruppe der Kunsterzieher, Werker und Textiler vorgenommen zu haben, greifen doch diese Themen weit über die traditionellen Grenzen ihrer Fächer hinaus und berühren die Bereiche der Philosophie, Religion und Ökonomie.



Allgemeine Überlegungen

"Weil ich es mir wert bin" verkündet selbstwusst eine brünette Schönheit, während sie in Zeitlupe ihr fülliges Haupthaar vor den verdächtig schütter gewordenen Köpfen der abendlichen Fernseher vorbeischwingen lässt. Eine ironisch provozierende Pointe eines Schönheitswässerchen produzierenden Fabrikanten oder nur die einseitig verkümmerte Aussage jenes Religionsstifters, der da meinte, man ?solle seinen Nächsten lieben, wie sich selbst?? Seit Jahrzehnten war in unserer Kultur die vereinte Intelligenz angetreten, gegen die überkommenen Werte mobil zu machen, hinter allem, was einem ?lieb und teuer? war, oder bloß von den Altvorderen als unverzichtbare Richtlinie vermittelt wurde, einen verdächtigen Machtanspruch zu vermuten. Wer von Werten sprach, der meinte ihr Gegenteil und wer das nicht begriff, hatte nicht verstanden, dass diese nichts mehr wert waren. Auf diese Weise relativierten sich grundlegende Wahrheiten, die als solche ja niemals bestanden hatten, verkehrten sich in ihr Gegenteil und tauchten als reine Gebrauchswerte irgendeinmal und irgendwo wieder auf, gleißend in verlockende Versprechungen gehüllt, um dann wieder in das Loch der unerbittlichen Vergessenheit zu fallen. Um so mehr fällt es auf, dass wiederum das Interesse an diesem Thema erwacht ist, um Definitionen gefeilscht, um Neupositionierungen gerungen und um die Verbindlichkeit allfälliger Werte gestritten wird. Erschwerend allerdings äußert sich der durchaus bekannte Umstand menschlicher Schwäche: was an Lässigkeiten, Schludrigkeiten und Versäumnissen zur lieben Gewohnheit geworden ist, will man auch wider besseren Wissens nicht aufgeben. So lange es sich an den Maximen grundsätzlich humaner Forderungen vorbeischwindeln lässt, kann es doch auch so weitergehen. Nur zu oft vergisst man, dass Wertevorstellungen mit der Würde des Menschen zu tun haben, ein Zustand, der sich nur in der Beziehung zum anderen Menschen, zur Gruppe manifestieren kann. Wem Würde zukommt, trägt Verantwortung und transzendiert sein Leben über seine eigenen Grenzen hinweg. Wem Verantwortung zukommt, verzichtet und gewinnt so um so reichlicher. Diese Gedanken scheinen nicht neu, aber so lange vergeblich, so lange es nicht gelingt, den Werten der irdischen Freuden ihren Charakter der Rastlosigkeit und Oberflächlichkeit zu nehmen. Wenn Schüler und Lehrer des Musischen Gymnasiums nun über Monate hinweg sich diesem Thema widmen, können wir eine ernsthafte und in die Tiefe gehende Auseinandersetzung vermuten, die zu Resultaten führt, welche sehenswert und diskutierenswert sein werden. Es lohnt sich wieder, für diese Veranstaltung einen Termin freizuhalten!